Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis
Exekution von vier Zwangsarbeitern auf dem Ettlinger Wattkopf 1945 – Eine Exkursion mit Dieter Behringer Samstag, 24. September, 10 Uhr.
Kurz vor der Befreiung von Ettlingen durch die französische Armee am Mittwoch, dem 4. April 1945 wurden auf dem Ettlinger Wattkopf am Rande eines Bombentrichters vier angeblich gefährliche sowjetische Zwangsarbeiter von Gestapo-Beamten des Gestapo Gefängnisses in Ettlingen exekutiert. Das Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis lädt in Zusammenarbeit mit dem Rosa-Luxemburg-Club Karlsruhe zu einer Wanderung ein. Die Wanderstrecke beträgt 6 km und steigt bis auf über 330 m stark an. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann die Wanderung an der Kaisereiche beginnen. Der Aufstieg verkürzt sich so auf 2 km. Parkplätze sind dort vorhanden. Für Menschen, die gar nicht wandern können, bieten wir einen Pkw-Transport zum Bombentrichter und zurück. Der Referent berichtet bei der Exkursion über die furchtbaren Folterungen im ehemaligen Gestapo-Gefängnis und zitiert aus den Gerichtsprotokollen über die Hinrichtung. In der von Dieter Behringer verfassten Dokumentation „Es kam `zu den vielleicht brutalsten Folterungen überhaupt`. Gestapo-Gefängnis Ettlingen 1943 bis 1945.“ findet sich die ganze Geschichte der Vorgänge in Ettlingen. Die Broschüre kann bei der Exkursion erworben werden. Abschließend gemeinsame Einkehr. Hier besteht die Möglichkeit zu Gesprächen.
Grausamer Tod am Bombentrichter
Exkursion erinnert an hingerichtete Zwangsarbeiter auf dem Wattkopf
Auf dem Ettlinger Wattkopf kündigt sich der Frühling an – sprießende Blüten, grüne und heile Idylle. Was viele nicht wissen: Die Geschichte dieser Umgebung birgt ein dunkles Kapitel. Vor knapp 80 Jahren wurden dort an einem Bombentrichter vier sowjetische Kriegsgefangene erschossen.
Am Wochenende erinnerten das Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und der Ettlinger Ortsverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in einer Exkursion an die Geschehnisse im Jahr 1945. Dieter Behringer hat in den vergangenen Jahren zu dem Thema viel in Archiven recherchiert und die damaligen Vorkommnisse in einer Dokumentation zusammengetragen.
In der Ettlinger Sternengasse, wo heute das Amtsgericht und die Polizei untergebracht sind, befand sich damals das Gerichtsgefängnis. Ab März 1943 wurde es als Gefängnis der Gestapo-Leitstelle Karlsruhe genutzt. Behringer erzählt von brutalen Verhören, Folterungen und Aussagen, die durch Misshandlungen erzwungen wurden. 180 Gefangene waren dort demnach untergebracht – täglich gab es für sie lediglich 100 Gramm Brot und einen Liter Suppe. „Wir haben in diesem Gefängnis oft Schreie gehört, Weinen und Stöhnen, von gefolterten Männern und Frauen, ganze Tage und Nächte lang“, so zitiert Behringer den französischen Zwangsarbeiter Georges Euzenat.
Einer der Gestapo-Schergen in Ettlingen war laut den Recherchen Heinrich Reiser – Mitglied der SS und der NSDAP. „Er schikanierte, wo er nur konnte“, sagte damals eine Untergebene aus – auf dem Speicher des Gefängnisses, so Behringer, soll es zu unglaublich brutalen und grausamen Folterungen gekommen sein.
Auf dem sechs Kilometer langen Weg zur Hinrichtungsstelle erzählen Margit Steinhübel und Monika Engelhardt- Behringer über frühere Straßennamen und die faschistischen Namensgeber. Der besagte Bombentrichter auf dem Wattkopf liegt im Gestrüpp, in der Nähe eines Waldweges – die vier Russen sollen mit Kuhwagen zur Exekutionsstelle gebracht worden sein. 1944 gab es auf der Gemarkung Ettlingen 96 solcher Bombentrichter. Dieter Behringer äußert den Wunsch nach einer Hinweistafel am Wegrand, um weiter darauf aufmerksam zu machen.
Justin Sliver studiert in Mannheim Geschichte. Als Student seien Nachforschungen in der Heimat sehr interessant und von Bedeutung. „Mehr junge Menschen sollten sich mit der Thematik befassen und weitergeben“, so der 26-Jährige – dies sei in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeugen gibt, sehr wichtig. „Man muss die Geschichte kennen, damit sich solche grausamen Taten nicht wiederholen“, gibt auch Teilnehmer Mario zu bedenken. Das Ettlinger Bündnis feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen – aktuell sind 15 Ehrenamtliche aktiv. Man wolle neonazistischen Aktionen gegenüber treten, aber auch bei Jugendlichen Aufklärungsarbeit leisten, so Behringer. Ziel sei auch die Etablierung einer Gedenkkultur und ein demokratisches, tolerantes Miteinander. Internet