Stafettenlauf
Erwin Teufel beteiligt sich mit Geldspende
In die Schlußphase der Vorbereitungen geht der Fünf-Länder-Nonstop-Stafettenlauf des Lauftreffs des Ettlinger Sportvereins, des DRK Ettlingen, des SC 88 Bruchhausen und der Löbauer Läufergruppe. Am Mittwoch, 15. Juli, um 17 Uhr fällt der offizielle Startschuß für die 25 Läufer. Dann wird Schirmherr Oberbürgermeister Josef Offele die Sportler vor dem Ettlinger Rathaus auf ihren 2 400 Kilometer langen Weg in die neue Partnerstadt Gatschina bei Sankt Petersburg schicken. Am Samstag, 25. Juli, wollen die Ettlinger Läufer in der ehemaligen Sommerresidenz der russischen Zaren eintreffen und dem dortigen Vorsitzenden des Stadtsowjet, Viktor Lebedev, eine im Staffelstab mitgeführte Urkunde mit den Grüßen Ettlingens überreichen.
Drei Kleinbusse, ein großer Reisebus und ein Pkw, aus dem die Läufer auf ihrer Route durch Sachsen, Polen, Litauen, Lettland bis nach Rußland gefilmt werden, sind als Begleittroß vorgesehen. Daß zumindest die ersten 1 500 Kilometer reibungslos ablaufen, davon sind die Mitorganisatoren Albert Olbrechts und Heinz Speck aus Bruchhausen überzeugt. Sie haben bis zur litauischen Grenze sich vor wenigen Tagen selbst von der Qualität der Wegstrecke überzeugt: „Die Straßen sind fest, genauso gut wie hier“, kamen die beiden Vorausfahrer mit guter Kunde zurück. Minutiös hat Olbrechts für die elftägige Lauftour bis Gatschina einen Zeitplan zusammengestellt. Jede Straße und jede Ortschaft ist mit Kilometerangabe darin genau beschrieben. In Dreiergruppen à acht Läufern wollen sie „schichtweise“ die Strecke hinter sich bringen. Acht werden immer im mitfahrenden Reisebus schlafen, während acht sich von den Sehenswürdigkeiten der Gegend überzeugen können und die letzten acht sich im sportlichen Stafetteneinsatz befinden.
Voraussichtlich werden die Läufer schon an der litauischen Grenze von einer Abordnung aus der Partnergemeinde in Empfang genommen. Sicherlich auch sinnvoll aufgrund der unsicheren Verhältnisse in den baltischen Staaten und in Rußland. Durch Polen glaubt man sich in besten Händen zu befinden, weil der am Reha- Zentrum in Langensteinbach tätige polnische Arzt Dr. Wocjan die Gruppe begleiten wird. Er sorgt auch für die medizinische Betreuung der Läufer. Dabei hofft Olbrechts, daß der Arzt – wenn überhaupt – höchstens Blasen an den Füßen der Läufer behandeln muß.
Neben der sportlichen und freundschaftlichen Bedeutung dieses Laufes gibt es auch dazu einen Hilfstransport im Sinne der Aktion „Helft Rußland“. Ein Lastwagenanhänger mit Medikamenten, Kindernahrung und Lebensmitteln aus Ettlingen und dem Albgau soll beim Eintreffen der Läufer in Gatschina ebenfalls in der Stadt bereitstehen.
Für diese Aktion haben die Läufer in den vergangenen Monaten recht erfolgreich mit Informationsständen auf dem Ettlinger Marktplatz und Spendensammlungen Waren im Wert von 40 000 Mark zusammengetragen. Eine Vielzahl Ettlinger Unternehmen haben dabei ihr Scherflein mitbeigetragen. Zur Unterstützung der Läufer ging selbst von Ministerpräsident Erwin Teufel ein Geldbetrag ein. Wer glaubt, daß die Ettlinger Läufer umsonst nach Rußland kommen, sieht sich getäuscht. Jeder mußte für die Teilnahme an dem Lauf einige hundert Mark zur Finanzierung von Bussen und Unterkunft auf den Tisch blättern.
BNN (jcw) 17.06.1992
Start für Läufer aus Partnerstadt
Eine Stafette von 22 Läufern und Läuferinnen aus der russischen Partnerstadt Gatschina bei Sankt Petersburg startet heute, Mittwoch, 18. August, zu einem Nonstop-Stafettenlauf nach Ettlingen und erwidert damit den 2 500-Kilometer-Lauf der Ettlinger Läufer nach Gatschina im vorigen Jahr. Am 25. August soll die Stafette in Ettlingens ostdeutscher Partnerstadt Löbau eintreffen.Nach einem Empfang im Rathaus wird die Gruppe von dqrt aus von Sportlern aus der sächsischen Partnerstadt und Ettlinger Läufern auf den letzten 700 Kilometern begleitet. Die Ankunft in Ettlingen ist für Samstag morgen, 28. August, rechtzeitig zur Eröffnung des Marktfestes vorgesehen. Die russischen Läufer werden dann Nonstop 2 550 Kilometer über Rußland, Weißrußland, Polen und Deutschland zurückgelegt haben. Der Lauftreff Ettlingen wird die Läufer aus Gatschina während ihres Aufenthaltes betreuen.





AUERBACH (jdö).
2400 Kilometer per pedes bewältigt derzeit eine 40köpfige international besetzte Mannschaft. Vorgestern durchlief die Stafette unseren Landkreis von Rothenkirchen nach Oelsnitz.
24 russische Läufer brachen am 18. August, 18 Uhr, in Gatschina, 40 Kilometer vor St. Petersburg gelegen, zur Partnerstadt Ettlingen auf. Am 25. August erreichte der Läufertroß Görlitz, dort gesellten sich elf Läufer von OSC Löbau und fünf Ettlinger Läufer dazu. Gemeinsam will man heute Ettlingen erreichen. Nach einer Woche Aufenthalt geht es dann wieder nach Hause.
Alle zehn Kilometer wechseln die Läufer, auch bei Nacht wird gelaufen, verrieten sie uns. Jeweils zwei Läufer befinden sich auf der Strecke, begleitet von einem Versorgungsfahrzeug. Alle anderen fahren in Begleitfahrzeugen voraus zur nächsten Wechselstelle. Im Team der Russen sind unter anderem der zweifache Bronzemedaillengewinner im Skilanglauf der Olympischen Winterspiele von 1960 in Squaw Valley, Nikolai Anikin, sowie der Gewinner des Moskauer Marathons und mehrere Meister des Sportes. Mit einem Schnitt von 15 bis 16 Kilometer pro Stunde bewegten sich die russischen Sportfreunde voran, und das nachdem bereits rund 1800 Kilometer gelaufen waren.
Trikot aus Gatschina soll für Freundschaft mit Löbau werben
Probleme an der Grenze brachten russische Stafettenläufer verspätet ans Ziel
Ein ungewöhnliches Gastgeschenk nahm gestern Löbaus Schul- und Kulturamtsleiterin Anja Colignon, aus den Händen des Sportabteilungsleiters der Stadt Gatschina entgegen: „Mögen die Verantwortlichen der Stadt Löbau in Zukunft mit unseren Trikots laufen“, unterstrich Nikolai Sergejewitsch Pimenow sein Anliegen, daß sich auch von hier aus freundschaftliche Bande zu seiner Stadt anbahnen. Pimenow begleitet die Stafettenläufer, die gestern mit einer knapp einstündigen Ehrenrunde durch die Stadt eine weitere Etappe ihres rund 2 600 Kilometer langen Laufs nach Ettlingen erreichten.
Doch bevor sich die 24 Läufer, darunter auch zwei Frauen, und ihre sieben Betreuer zum wohlverdienten Mittagessen im Hotel „Stadt Löbau“ setzten konnten, gab es morgens an der polnisch-deutschen Grenze in Zgorzelec/ Görlitz noch einige unvorhergesehene Probleme zu lösen, die den bisher gut funktionierenden Zeitplan durcheinanderbrachten. So sollten die Russen rund 450 DM für ihren alten Reisebus an den deutschen Zoll bezahlen. Aber schließlich hatte die Bürokratie ein Einsehen mit dem doch außergewöhnlichen Stafettenlauf – genauso, wie vorher schon die Zgorzelecer Polizei, die nach kurzer Verhandlung den Bus nebst Begleitfahrzeug an der Warteschlange vorbei direkt zur Abfertigung lotste. Dennoch trafen die Läufer zweieinhalb Stunden später als geplant in Löbau ein.
Aber das war nicht das einzige Problem, mit dem sich die Russen in den letzten Tagen konfrontiert sahen: Auf ihrem Weg durch Weißrussland fuhr ein LKW in eines der beiden Begleitfahrzeuge, das dadurch vollständig zerstört wurde. Die Insassen des Kleinbusses hatten dabei noch Glück im Unglück. Es gab lediglich einen Leichtverletzten und die Sportler, die nur wenige Meter vor dem Fahrzeug liefen, kamen mit dem Schrecken davon. Eine andere Widrigkeit stellte das Wetter dar: In den drei Tagen, an denen Weißrussland durchquert wurde, verfolgte die Läufer strömender Regen bei kaltem, regnerischen Klima. Auch der alte, weiße-orangene Bus brachte da als fahrende Unterkunft kaum Erleichterung: Darin sei es genauso kalt und feucht gewesen, hieß es gestern. Besseres Wetter gab es erst am vergangenen Sonnabend, als der Löbauer Hans-Peter Kahlert von der OSC-Laufgruppe die Gatschinaer an der weißrussisch-polnischen Grenze empfing.
Die Strecke durch Polen konnte dann bei wechselhaftem, zumeist aber trockenem und warmem Wetter bewältigt werden. Gestern Abend nun, nach dem ersten ausgiebigen Stop des Laufs ging es dann auf die letzten 600 Kilometer. Durch die hinzukommenden 18 Läufer aus Löbau und Ettlingen haben die russischen Athleten nun größere Pausen zwischen ihren Einsätzen: Es werden immer nur drei Stafettenläufer aus den drei Partnerstädten auf der Straße sein. Hinter ihnen fährt ein Begleitfahrzeug mit einer Geschwindigkeit von rund 15 Stundenkilometern her, das sie damit auch absichert. Wenn alles klappt, kommen die Sportler so am Sonnabend in Ettlingen an, wo sie dann eine Woche bleiben werden.
Kleine Verschnauf- und Beratungspause vor dem Wechsel: (von links) Dolmetscherin Viktoria Golzova, Margot Richter, Alexander Kalikin, Hans Peter Kahlert und Pavel Morstschiichin, der 1960 als Skiläufer an der Olympiade teilnahm.
Marktfest Ettlingen wieder Besuchermagnet
BNN, 30.08.1993